140.000 Windmühlen für den „grundlegenden Transformationsprozess“

Gutachterliche Stellungnahme von Dr.-Ing. Detlef Ahlborn im NRW-Landtag

Die mündliche Anhörung des Ausschusses für Wirtschaft, Energie und Landesplanung am 4. März 2020 im Landtag von NRW zum Antrag der Fraktion der SPD, Drucksache 17/7758, verlief enttäuschend. Für den Verein Fortschritt in Freiheit e.V. hat Herr Dr.-Ing. Detlef Ahlborn als Experte teilgenommen. Die Diskussion war wirklich gruselig, zumal Abgeordnete der Grünen und der SPD störten und sich besonders laut unterhielten, sobald Dr.-Ing. Ahlborn die an ihn gestellten Fragen beantwortete.

In der Experten-Runde saß außer unserem Vertreter Dr.-Ing. Ahlborn niemand, der auch nur ansatzweise ein Verständnis hatte, wie Wirtschaft funktioniert. Mit dieser Anhörung sollte der Antrag der SPD-Fraktion „Nachhaltige Industriepolitik für Nordrhein-Westfalen“ bewertet werden. Der Antrag sieht es als Aufgabe,

„die Dekarbonisierung und Digitalisierung der Industrie voranzubringen, die Sicherung der Zukunftsfähigkeit unseres industriellen Kerns. Eine vermehrte Nachfrage nach nachhaltiger Energie auch für die Industrie sollte zukünftig durch NRW gedeckt werden können.“

Dies sieht die SPD-Fraktion positiv und notwendig als „grundlegenden Transformationsprozess“. Was das aber bedeutet, erläuterte Dr.-Ing. Ahlborn: Der Primärenergieverbrauch von Deutschland liegt per heute bei 12.900 PJ (Petajoule). Das entspricht rund 3.600 TWh (Terawattstunden). Das Ziel der „Dekarbonisierung“ ist es nun, diesen Primärenergieverbrauch bis 2050 auf 7.200 PJ (2.000 TWh) zu reduzieren, also um 44 Prozent gegenüber heute zu reduzieren. Hier ist die Frage zu stellen, ob es möglich ist, elektrische Energie in dieser Größenordnung in Deutschland „nachhaltig“ zu produzieren. (Der euphemistische Begriff „nachhaltige Energieproduktion“ meint nach dem aktuellen Politjargon die Stromerzeugung nach Wetterlaunen.)

Vereinfachend sei angenommen, dass dazu alle Windkraftanlagen durch Modelle aktueller Bauart mit einem Rotordurchmesser von 150 Metern ersetzt werden. In einem Mix von Wind- und Solaranlagen stellt sich heraus, dass zur Erreichung dieses Ziels Solarflächen von rund 4.000 Quadratkilometer und eine gesamte von den Rotoren überstrichene Fläche (Rotorfläche) von rund 2.500 Quadratkilometern erforderlich ist. Das entspricht rund 140.000 Windkraftanlagen neuester Bauart. Verteilt man diese 140.000 Windkraftanlagen gleichmäßig ohne Rücksicht auf Siedlungs-, Verkehrs- und Wasserflächen, so ergibt sich ein mittlerer Abstand von Windrad zu Windrad von 1.600 Metern.

Naturgesetzlich – und für jedes Schulkind nachvollziehbar – fällt zudem die Summenproduktion aus Wind und Solar regelmäßig auf Werte nahe null ab. Das bedeutet, dass abgeschaltete konventionelle (Atom-, Kohle- und Gas-)Kraftwerke nicht durch Wind- oder Solarstrom ersetzt werden können. Im Bericht der Übertragungsnetzbetreiber 2019 heißt es dazu:

„Daher setzen die Übertragungsnetzbetreiber für Wind eine Nichtverfügbarkeit von 99 Prozent an.“

Dr.-Ing. Detlef Ahlborn zieht in seiner „Gutachterliche Stellungnahme“ das Fazit:

„Die Dekarbonisierung der Energieversorgung stellt sich technisch und physikalisch aufgrund des Flächenbedarfs als nicht realisierbare Illusion heraus. Eine Dekarbonisierung gefährdet aufgrund der volkswirtschaftlichen Gesamtkosten die industrielle Basis des Landes.“

Sobald uns das Protokoll dieser Anhörung vorliegt, stellen wir es auf der Website ein.

pdf20200305Stellungnahme_SPD_Antrag_Experte_Dr._Detlef_Ahlborn.pdf

 

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