„Smart Grid“ – weitgehend Wunschdenken und reine Phantasie

Prof. Dr.-Ing. Helmut Alt kommentiert einen FOCUS-Online-Artikel

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— Foto: Screenshot

Am 24. Februar 2020 veröffentlichte FOCUS-Online den Artikel „Smart Grid: Mit intelligentem Netz gelingt Deutschland Energiewende – und Verbraucher sparen Geld“. Prof. Dr.-Ing. Helmut Alt hat ihn sich genauer angesehen und seine Kommentare im verlinkten PDF eingearbeitet.

Zur Aussage „…  helfen Smart Grids, Strom aus erneuerbaren Energien zu jeder Zeit zur Verfügung zu stellen.“ sagt er: Das ist weitgehend Wunschdenken und reine Phantasie. Und weiter: Derzeit stehen Stromspeicher nicht zur Verfügung und es ist auch vollkommen unklar wer solche Speicher einrichten und finanzieren soll. Es ist jedem Stromverbraucher auf Basis vertraglicher Regelungen mit dem Netzbetreiber freigestellt, eine solche Partnerschaft durch eigene, private Investitionsmaßnahmen mit Stromspeicher und Stromerzeugungsanlagen zu erstellen und zu betreiben oder sich gar autark selbst aus solchen Anlagen mit Strom zu versorgen. Aus Erfahrung ist angesichts des dadurch notwendigen Aufwandes an Investitionskosten nicht zu erwarten, dass ein Stromkunde am Netz diese unwirtschaftliche, aber technisch durchaus realisierbare Idee verwirk-licht. Rechtlich und technisch steht dem nichts im Wege, es ist nur hoch unwirtschaftlich für den Betreiber einer solchen Anlage, deshalb macht das auch niemand.

Schaut man im Wörterbuch die Bedeutung von „smart“ nach, findet man unter der Rubrik Adjektive folgende deutsche Übersetzungen:

adrett, aufgeweckt, clever, elegant, fein, fesch, fix, flink, flott, gepflegt, gerieben, gerissen, gescheit, geschickt, gewandt, gewitzt, hübsch, intelligent, klug, listig, modisch, munter, neunmalklug, pfiffig, raffiniert, schick, schlau, schnittig, smart, superklug, tüchtig.

Die Erfinder des smart-grid für das Versorgungsnetz und smart-meter für den Elektrizitätszähler waren in der Tat sehr pfiffig, hier für ein technisch und wirtschaftlich sehr zweifelhaftes Vorhaben eine Benennung zu wählen, die so richtig keiner versteht und für die man dann ungestraft einen beliebigen Bedeutungsinhalt hinein interpretieren darf. Unter dem Oberbegriff „Klimaschutz“ lässt sich heutzutage jede Unsinnsidee als zukunftweisende Errungenschaft vermarkten. Inzwischen hat sich auch die Erkenntnis durchgesetzt: „Wer nichts zu sagen hat, der sagt´s auf englisch“ – Prof. Dr. Walter Krämer, Uni Dortmund, Gründer und Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache (VDI-Nachrichten vom 19.6.09, S.15).

pdf20200227FocusSmartGrid_Bericht_Energiewende_24.02.2020.pdf