Goldener Reis: Vandana Shiva versus Prof Hans-Jörg Jacobsen

Mai 2015 Psiram

Vitamin-A-Mangel betrifft etwa ein Drittel aller Kinder unter 5 Jahren: jedes Jahr erblinden 250.000 bis 500.000 Kinder deswegen.

goldenriceJunge Frau die auf einem Auge erblindet ist. (Quelle: The present status of Golden Rice, Dubock 2014)

Und das, obwohl Organisationen wie UNICEF und die Helen Keller Foundation seit den 1990ern jedes Jahr 500 Millionen Vitamin-A -Kapseln verteilen (Kostenpunkt zwischen 500 Millionen und 1 Milliarde US Dollar). Die Kosten tragen vor allem Hilfsorganisationen der USA und Kanada (siehe auch Global Alliance for Improved Nutrition)

Um dieses Problem anzugehen, wurde die Idee geboren, Reis zu schaffen, der Vitamin A zur Verfügung stellt, ähnlich wie Karotten. Die Bauern in Asien könnten ihn anbauen und würden damit zu Selbstversorgern, was Vitamin A angeht; sie wären nicht mehr von den Kapseln der Hilfsorganisationen abhängig oder müssten die Erblindung ihrer Kinder hilflos hinnehmen.

Dennoch lehnen Kritiker den Goldenen Reis ab, wobei es dafür nur einen einzigen Grund gibt: Er ist ein Produkt der Gentechnik.
Wenn Ideologien herrschen, sind Menschenleben nun einmal zweitrangig.

In einem BBC-Interview wurden vor kurzem die indische Philosophin Vandana Shiva, die sich selbst als Quantenphysikern bzw. Kernphysikerin bezeichnet, und der deutsche Biologe Prof. Hans-Jörg Jacobsen zum Thema befragt.

Auch in Indien, der Heimat von Frau Shiva, leiden etwa 62% der Schulkinder unter Vitamin-A-Mangel – ohne nennenswerte Verbesserung in den letzten 35 Jahren

Wir halten, ebenso wie Prof. Jacobsen, wenig von Vandana Shiva. Sie schmückt sich mit Bezeichnungen wie Quantenphysikerin oder „one of India´s leading physicists“ (eine von Indiens führenden Physikerinnen), hat aber tatsächlich nur einen Doktortitel in Philosophieund kann kaum Tätigkeiten im Bereich Physik vorweisen.

Ihre Arbeit in der Physik beschränkt sich darauf, als 21jährige in einem Kernkraft-Forschungszentrum gearbeitet zu haben, bis ihre Schwester ihr dann erklärte, dass Radioaktivität gefährlich sei …

Ihre Behauptungen zu Bauern-Selbstmorden in Indien haben wir auch schon ausführlich kommentiert.

Wir möchten dem Leser nahe legen, sich das Interview selbst anzuhören. Die Moderatorin hat (wie üblich) ihre liebe Not mit Frau Shiva, diese hat aber – vielleicht sind wir da voreingenommen – Prof. Jacobsen wenig entgegenzusetzen, was man an ihrer praktisch nicht vorhandenen Argumentation merkt.

Prof. Jacobsen hat übrigens auch zum Thema gebloggt: Vandana Shiva´s Traum vom gesunden Essen…

Auf die Frage, ob nicht Goldener Reis ein gute Sache sei, stellt Vandana Shiva erst einmal klar, dass sie die letzten 3 Jahrzehnte unermüdlich gearbeitet hat, um den Armen für die Ernährung wichtige Früchte nahezubringen, durch Küchengärten und Schulgärten. Aha.

The problem is: There is no Golden Rice commercially available.

Klar, Frau Shiva meint das negativ, will betonen, dass der Reis in Wirklichkeit gar nicht existiert – betont, dass er eine Chimäre sei, betont, dass Goldener Reis der Kaiser ohne Kleider ist.

Man ist an der Stelle allerdings versucht zu fragen: Wirklich? DAS ist ihr Hauptargument?

Prof. Jacobsen bezeichnet ihr etwas seltsames Nicht-Argument dann auch als Hoax, dass der Reis längst existiere. Es nennt dann einige Gründe, warum es so lange dauert, warum er noch immer nicht in den Händen der Bauern ist.

Vor allem sind diese administrativer/rechtlicher Natur, der komplizierte Genehmigungsprozess, in dem kein Fehler passieren soll, dass auf den Philippinen nur eine Sortenlinie gleichzeitig eingereicht werden dürfe und leider zuerst „die Falsche“ eingereicht wurde, aber auch den Vandalismus auf den Testfeldern durch Öko-Terroristen.

Er persönlich hätte den Farmern den Reis schon längst gegeben und diese entscheiden lassen, was sie damit machen.

Wer die Zeitlinie genauer erfahren und wissen möchte, was mit „die Falsche“ gemeint ist usw. findet es in The present status of Golden Rice und in The Politics of Golden Rice erklärt.

Den weiteren Einwand von Frau Shiva bezüglich Patente und Lizenzgebühren wischt Prof. Jacobsen als Lüge vom Tisch. Frau Shivas Behauptung, dass die Bauern Lizenzzahlungen leisten müssen, stimmt einfach nicht.

Goldener Reis steht Entwicklungsländern unter einer humanitären Lizenz zur Verfügung; Fast alle Bauern (bis auf die Reichsten) dürfen ihre Ernte als Saatgut aufbewahren/anbauen, tauschen, lokal verkaufen, … (die exakten Lizenzbedingungen kann man auf goldenrice.org nachlesen).

Zum Dritten erklärt dann Vandana Shiva, Goldener Reis sei unnötig, da sie all das notwendige Vitamin A in Haushaltsgärten und Schulgärten wachsen lassen kann! (Was sie ja unermüdlich schon seit drei Jahrzehnten macht, siehe oben.)

Die Moderatorin stellt ihr dann die böse Frage, warum das nicht längst passiert (ist) und bekommt erneut eine schrullige Antwort.

Schuld daran, dass es ihr bisher nicht gelungen ist, Hunderte Millionen Menschen durch Schulgärten mit Vitamin A zu versorgen ist nämlich:

Der Goldene Reis! Die ganze Aufmerksamkeit der Welt ist nämlich nicht auf ihre Initiativen, sondern auf den Goldenen Reis gerichtet.

Ohne das weiter kommentieren zu wollen:
Tatsächlich wird sehr viel getan (vielleicht nicht von Frau Shiva), um abseits vom Goldenem Reis die Unter/Fehlernährung anzugehen. Vitamin A Mangel ist ja nur ein Problem, auch Eisen (betrifft und Jodmangel werden durch Organisationen wie UNICEF und FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) mit diversen Maßnahmen bekämpft. Darunter natürlich auch Verbesserung der lokalen Versorgung mit Nahrungsmitteln.

Dass eine Organisation wie die Unicef seit 20 Jahren dieses Problem zu lösen versucht, aber nur die jährliche Supplementierung mit Vitamin-A Kapseln bleibt, seit mehr als 20 Jahren jährlich notwendig ist, sollte einem zu denken geben und ein Hinweis dafür sein, wie schwierig es tatsächlich ist.

Während Vandana Shiva über die „Monokultur des Geistes“ als tiefsitzendes Problem philosophiert, krempeln andere die Ärmel hoch und arbeiten für die Verbesserung der Situation.